Anglerfische
By bfen · Public
Die Tiefsee ist ja bekannterweise einer der am wenigsten erforschten Bereichen unseres Planeten. Hier haust auch eine bekannte aber auch komische Gattung an Fischen: die Anglerfische, eine Fischgettung auch genannt Lophiiformes. Hierzu gehören unter anderem der Seeteufel, Froschfische und Fledermausfische. (komische Namensgebung aber naja)
Sie sehen ein wenig grausig aus: riesen Maul mit nach unten gezogenen Mundwinkeln, gestauchter Körper und eine kleine Lampe an einer Angel vor der Nase um Beute anzulocken.
Diese „Angeln“, genannt illucium sind an sich kleine alleinstehende Organismen die mit einer organischen „Stange“ wie ein Einhorn an der Stirn des weiblichen Anglerfisches befestigt sind, denn nur die Weibchen besitzen diese Lampen. Eigentlich sind es in der Art umgebauten Flossen die evolutionär aus dem ersten Strahl der Rückenflosse wuchsen.
Diese separaten Lampen-Organismen, auch esca genannt, leuchten aufgrund von in ihnen lebenden biolumineszenten Bakterien. Diese sind in einer Symbiose mit dem Wirtsfisch und ihre Genome sind ca. 50% kleiner als die der frei lebenden leuchtenden Verwandten. Es fehlen unter anderem Teile zur selbstständigen Nährstoffproduktion wodurch sie vom Wirt sehr abhängig sind. Scheinbar werden diese Bakterien aber aus dem Meer quasi herausgesogen und in der Lampe aufgenommen [1]. Normalerweise geben die Eltern was mit aber hier kommen die Bakterien halt aus der Umgebung was schon eher ungewöhnlich ist [2]. Manchmal haben die Anglerfische, wie die Gattung Cryptopsaras auch mehr als eine Angel am Kopf, diese sind aber in ihrer organischen Beschaffenheit identisch [2].
Am interessantesten ist meiner Meinung nach, dass einige Anglerfische sexuell parasitär sind. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass das im Vergleich winzige Männchen sich in der Haut und dem Fleisch des Weibchens verbeißt. Von hier an verliert das Männchen zunächst seine Augen und Haut, Gewebe und Blutgefäße verwachsen miteinander, sodass die beiden einst separaten Lebewesen zu einem zusammenwachsen. Das Männchen wird von nun an dauerhaft von dem Weibchen ernährt und was gibt er als Gegenleistung? Dauerhaft Spermien [3]. Ein einzelnes Weibchen kann hierbei übrigens nicht nur ein Männchen tragen, Nein, manche tragen bis zu 8. Das ist schon ziemlich heavy. Das ganze funktioniert, weil einige Eigenschaften des Immunsystems sich zurückgebildet haben und deswegen die Fremdkörper der Männchen nicht automatisch abgewehrt werden. Aber warum funktioniert das überhaupt? Weil ein Weibchen um ein vielfaches größer ist als ihre männlichen Gefährten. Bei der Gattung Photocorynus spiniceps wurde ein Männchen von gerade mal 6,2mm Länge dokumentiert, während das Weibchen 46mm lang war. Generell sind diese Dimensionen sehr viel kleiner als ich sie mir immer vorgestellt habe und als es in den Medien wirkt [4].
Meiner Meinung nach ist das schon ziemlich weird aber naja, vielleicht kann man es in irgendeiner Form auch als komische Analogie sehen.
Die Ordnung der Anglerfische umfasst übrigens auch flache Küsten- und Bodenbewohner wie Froschfische, Handfische und Seeteufel. Der stereotype schwarze Fisch mit Leuchtköder und parasitischem Zwergmännchen stellt daher nur einen besonders spektakulären Teil der gesamten Anglerfisch-Verwandtschaft dar.
Comments
No comments yet.
Log in to comment.